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ΚΥΡΗΓΜΑ ΘΕΙΑΣ ΛΕΙΤΟΥΡΓΙΑ ΖΩΝΤΑΝΑ ΑΠΟ ΤΗΝ Ι. ΜΟΝΗ ΑΓΙΑΣ ΤΡΙΑΔΑΣ ΕΔΕΣΑΣ

ΟΜΙΛΙΑ ΖΩΝΤΑΝΑ ΑΠΟ ΤΗΝ Ι. Μ. ΑΓΙΑΣ ΤΡΙΑΔΑΣ ΕΔΕΣΣΑΣ

ΟΜΙΛΙΑ ΖΩΝΤΑΝΑ ΑΠΟ ΤΟΝ Ι. Ν. ΑΓΙΟΥ ΔΗΜΗΤΡΙΟΥ, ΔΗΜΟΥ ΑΓΙΟΥ ΔΗΜΗΤΡΙΟΥ ΑΘΗΝΑΣ

Τετάρτη, 19 Ιουνίου 2013

Die Heiligen der Kirche.„Ich liebte das Martyrium, das auf so wunderbare Weise die Seele reinigt“*


Die Heiligen der Kirche
Die Heiligen unserer Kirche sind nicht irgendwelche Wesen aus einer anderen Welt, sondern Menschen mit denselben Leidenschaften wie wir. Jeder Mensch, egal wie alt er, ist von Jesus Christus, dem Haupt der Kirche, eingeladen, heilig zu werden, teilzuhaben an Seinem Kreuz, das die Garantie für die unsere eigene Auferstehung.

Die Heiligen trafen die mutige Entscheidung, zusammen mit Christus (durch das Martyrium des Blutes oder Gewissens) gekreuzigt zu werden, indem sie den „alten Menschen“ durch Umkehr überwanden. Ihre christusgleiche Demut zog die göttliche Gnade an, die in ihnen ruhte und sie zu Gottesträgern machte. Ihre vollständige Einheit mit Gott ist die „Psychologie der Heiligkeit“, wie der Hl. Justin Popovic feststellt: „In jedem Heiligen ist der HERR alles und jedes einzelne Ding in seiner Seele, in seinem Gewissen, in seinem Herzen und seinen Werken“.

Wir sollten ihnen mit Treue, Eifer, großer Liebe und der demütigen Gesinnung eines Jüngers nachfolgen, denn „ohne die Liebe zu den Heiligen ist unsere Orthodoxie gelähmt und unser Orientierungssinn ausgeschaltet – denn sie sind die Beispiele, denen man folgen muss.“ (Fr. Seraphim Rose).


„Ich liebte das Martyrium, das auf so wunderbare Weise die Seele reinigt“*
Der hl. Uneigennützige Arzt Lukas, Bekenner-Erzbischof von Simferopol und der Krim
1877 – 1961
Übersetzung: Sr. Matthaia ©Heiliges Kloster Pantokratoros
Es handelt sich um einen Vortrag von Archimandrit P. Nektarios Antonopoulos über das wunderbare und beispielhafte Leben des Heiligen Lukas, Erzbischof von Simferopol und der Krim, eines Arztes, wunderbaren Menschen und Bekenner des Glaubens. Es ist ein starker und berührender Text mit vielen Photographien. Der Diavortrag wurde im Gastbereich unseres Klosters am Dienstag, 23. November 2010 gehalten, nachdem wir die Reliquien des Heiligen Lukas empfangen hatten.

Das Leben dieses großen Heiligen hat uns sehr viel über das Leben in Christus zu lehren. Außerdem ist es von großer Bedeutung, dass durch das lebendige Zeugnis seines Lebens eine klare Antwort auf zwei kontroverse Ansichten gegeben wird. Erstens verwerfen seine beiden Positionen – die des bekannten Arztes und Bischofs – die Annahme, dass die Wissenschaft im Konflikt mit der Religion steht. Zweitens enthüllen die ungerechten, grausamen Foltern, die er erlitt und die schamlose Verachtung dieses großen Wissenschaftlers, seiner Entdeckungen, Studien und fortschrittlichen Praktiken, bis hin zu einem Punkt, dass er als „Bürger zweiter Klasse“ betrachtet wurde, die Gräueltaten des atheistischen totalitären Regimes. Das Leben des hl. Lukas sollte nicht nur aus religiöser und wissenschaftlicher Sicht studiert werden, wie es bereits der Fall ist, sondern auch sozial, politisch und historisch. Es kann mehrere Antworten auf Unwissenheit und Propaganda geben.

***
Wenn jemand sich auf dem Berg Athos oder anderswo befindet, wo es alte Kirchen gibt, dann wird er feststellen, dass viele dieser Kirchen rot bemalt sind. Und wenn man die Mönche fragen würde, würden sie antworten, dass diese rote Farbe das Blut Christi und der Heiligen symbolisiert. Es erinnert die Menschen, dass, obwohl verschiedene Religionen oder Ideologien durch Propaganda, Gewalt und Unterdrückung verbreitet wurden, die Kirche Christi in den Herzen der Menschen gesiegt hat, durch Sanftmut, das Blut Christi und Seiner Heiligen, Folter und Martyrium. Es gibt keine orthodoxe Kirche, die nicht durch das Martyrium gegangen ist, noch gab es einen Heiligen, der nicht durch seinen persönlichen Feuerofen von Sorgen, Versuchungen und Martyrium gegangen ist.

Während des zwanzigsten Jahrhunderts ging die russische Kirche durch ihr eigenes grausames Martyrium. Sieben Jahrzehnte lang erlebten unzählige Martyrer und Bekenner ihre eigene, persönliche „Kreuzigung“ und vergossen ihr eigenes Blut.

Ein solch bewegendes Martyrium ist das des Erzbischofs Lukas, Professor für topographische Anatomie und Chirurgie. Dieser Mann mit seltenen Talenten und Gaben diente den Menschen als Seelsorger und Arzt gedient hat, mit bewundernswerter Liebe und Selbstverleugnung. So setzte er die Tradition der großen heiligen uneigennützigen Ärzte unserer Kirche fort. Diese unglaubliche Gestalt und ihre überirdische Größe sind Grund für Erstaunen, Bewunderung und himmlischen Trost.

Mit diesem Vortrag möchten wir versuchen, diesem Menschen nahe zu kommen und seinen Lebensweg darzustellen.

Bevor wir das tun, lassen sie uns gemeinsam ins Heilige Russland reisen und das konkrete, soziale und geistliche Umfeld untersuchen, in dem der Hl. Lukas lebte. Wir befinden uns im 19. Jahrhundert, einer schwierigen und unruhigen Zeit. Der Lebensstandard der russischen Bevölkerung war sehr niedrig. Ihre Lebensbedingungen waren abstoßend. Es war kein Wunder, dass nihilistische Ideologien und Theorien fruchtbaren Boden fanden und allmählich einen großen Teil des russischen Volkes beeinflussten.

In dieser Zeit spielten eine Reihe russischer Klöster und großer Starzen (Altväter) eine wichtige Rolle, den geistigen Niedergang des russischen Volkes auszugleichen. Lassen sie uns zuerst die Klöster von Sarow und Diwejewo besuchen, wo der hl. Seraphim von Sarow gelebt hat. Unzählige Menschen gingen dorthin, weil sie sich danach sehnten ihn zu sehen. Er empfing jeden mit Liebe und begrüßte ihn herzlich: „Meine Freude, Christus ist auferstanden.“

In der Nähe des Männerklosters von Sarow wurde in Diwejewo ein Frauenkloster gebaut, das der Heilige sehr unterstützte. Kurz bevor er starb, sah er all die leidvollen Ereignissen voraus, die folgen würden, und warnte vor ihnen. Er sagte, dass so großes Leid kommen werde und so viele Märtyrer, dass die Engel keine Zeit haben würden, all die Seelen zu sammeln.

Aber er sah auch, dass 70 Jahre später die Kirche wieder aufblühen würde. 1990 wurden seine Reliquien und persönlichen Gegenstände in Petersburg gefunden und nach Diwejewo gebracht. Heute leben 250 Mönchinnen in Diwejewo, die auf Geheiß des Hl. Seraphim das immerwährende Gebet praktizieren.


Ein weiteres bekanntes Kloster ist Valaam, das sich auf den immergrünen Inseln des Ladoga-Sees befindet. Das monastische Leben begann dort im zwölften Jahrhundert. Zunächst wurde das Hauptkloster erbaut und in seiner Nähe viele Skiten. Es ist ein ruhiger und schöner Ort.

Ein weiteres sehr wichtiges Kloster ist das von Optina. Es spielte während des 19. Jahrhunderts die Rolle eines Katalysators im geistlichen Leben Russlands. Innerhalb von 100 Jahren gingen 15 Heilige dort hervor; sie sind die berühmten Starzen. Tausende von Menschen gingen zu ihnen, darunter auch Intellektuelle und Wissenschaftler der damaligen Zeit.

In der westlichen Ukraine liegt das Kloster von Pochaev, ein heiliger Ort, an dem die Jungfrau Maria erschien und wo sie ihren Fußabdruck auf einem Felsen hinterlassen hat. Dieses Kloster war ein Bollwerk für die Orthodoxen, auch gegen die Unierten.

Wir kommen nun zum Jahr 1877. Der Hl. Lukas, in der Welt bekannt als Valentin Woino-Jassenezki, wurde am 14. April geboren. Seine Heimat war Kerč, das antike griechisch-pontische Gebiet auf der Krim. Während des neunten Jahrhunderts bauten die Griechen in diesem Bereich die berühmte Kirche des Hl. Johannes des Täufers, eines der wichtigsten Bauwerke der Krim. Heutzutage befindet sich auch eine Büste des Hl. Lukas vor der Kirche.

Der Vater des Heiligen war Apotheker. Allerdings lief die Apotheke nicht gut, so dass er beschloss sie aufzugeben. Danach arbeitete er als Beamter. Die Mutter des Heiligen, Maria Kudrim, war für ihre Werke der Barmherzigkeit bekannt. Außer dem hl. Lukas hatte das Ehepaar Woino-Jassenezki vier weitere Kinder, insgesamt drei Jungen und zwei Mädchen.

Weil sich die finanzielle Situation der Familie verschlechterte, beschlossen die Eltern nach Kiew, der Wiege des russischen Christentums, zu ziehen. Es ist eine sehr schöne und überaus grüne Stadt, durch die der Dnjepr fließt. Der erste christliche Fürst, der Hl. Wladimir, taufte sein Volk in diesem Fluss im Jahre 988 und begründete den orthodoxen Glauben in Russland. Die Familie Woino-Jassenezki lebte in einem Haus im Zentrum der Stadt, in der Kresatic- Straße. Der junge Valentin schien als Kind nicht außergewöhnlich zu sein. Sie hielten ihn alle für durchschnittlich und sagten, „niemand kann erwarten, dass er aus seinem Leben etwas Besonderes macht. Allerdings zeichnete er sich durch seine Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Moral und sein Einfühlungsvermögen aus. Schon sehr früh zeigte sich sein künstlerisches Talent. Während er die weiterführende Schule besuchte, studierte er gleichzeitig an der Akademie der Bildenden Künste in Kiew. Im Alter von 15 Jahren nahm er an einem Kunst-Wettbewerb teil und gewann den ersten Preis.

In seiner Seele lagen zwei Welten ständig im Kampf miteinander, die des Zweifels und die des Glaubens. Entscheidend für seine Entwicklung war das berühmte Kiewer Höhlenkloster. Das Kloster liegt auf einem 28ha großen grünen Gelände innerhalb von Kiew, direkt am Dnjepr. Es wurde zur Heimat von Tausenden von Mönchen und brachte viele Heilige hervor. Außer archäologischen Schätzen und Sehenswürdigkeiten, die viele Besucher anziehen, hält die Lavra einzigartige geistliche Schätze bereit. Die alten Asketen gruben ihre Zellen unterirdisch, sie lebten im Verborgenen und praktizierten das immerwährende Gebet.

Im Laufe der Jahre waren zwei große komplexe Höhlen angelegt worden, und auf jeder Seite der Wege bauten sie ihre Zellen. Die eingeschlossenen Asketen füllten die Türöffnungen auf und ließen nur ein Fenster offen. Jeden Tag kam ein Mönch vorbei, um ihnen etwas Brot und Wasser zu bringen. Davon lebten sie.Wenn jemand drei, vier Tage lang diese karge Nahrung nicht zu sich nahm, wussten sie, dass er gestorben war. Dann verschlossen die Mönche das Fenster und die Zelle wurde zu seinem Grab. Als Jahre später diese Zellen geöffnet wurden, fand man die Leiber der Asketen unverwest. Das ist einmalig auf der Welt: ein Ort, an dem es  118 unverweste Leichname gibt.

Dort in den Höhlen werden auch die Schädel anderer Heiliger aufbewahrt, die einen Geruch von Myron (duftendes Öl) verströmen. Die Schädel werden eigenartig nass, und hin und wieder sammeln die Mönche dieses Myron und geben es den Pilgern. Das Höhlenkloster ist ein wahrhaft gesegneter Ort. Das ganze klösterliche Leben, die lebendige monastische Tradition, die sich über Jahrhunderte fortgesetzt hatte, übte einen entscheidenden Einfluss auf den jungen Valentin aus, der das Kloster besuchte und mit den Pilgern und Mönchen Kontakt hatte.

Im gleichen Zeitraum wurde er von den Ideen des großen russischen Schriftstellers Tolstoi beeinflusst, mit dem er einen persönlichen Briefwechsel pflegte. Doch bald erkannte er dessen Irrtümer in Glaubensdingen und brach den Kontakt ab. Zur gleichen Zeit hörte er nicht auf, fleißig die Heilige Schrift zu lesen.

Als er die Schule beendet hatte, war er noch unentschlossen, welchen Weg er einschlagen sollte. Zunächst schrieb er sich in der juristischen Fakultät ein, aber ein Jahr später verließ er sie wieder. Danach ging er nach München, um an der Akademie der Bildenden Künste bei dem berühmten Professor Knir zu studieren, aber bald kehrte er nach Kiew zurück. Er verspürte in sich das große Interesse, den Mitmenschen zu dienen. An diesem schwierigen Wendepunkt besprach er sein Anliegen mit einem Professor, der ihn ermutigte, Medizin zu studieren. Auf diese Weise würde er in der Lage sein, den Dorfbewohnern zu helfen, die medizinisch schlecht versorgt waren.

1898 begann er sein Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität Kiew, die für ihr hervorragendes Bildungsniveau berühmt war. Von Anfang an war sein Interesse der Anatomie zugewandt.

Er beendete sein Studium mit Auszeichnung und einer Spezialisierung in der Chirurgie. Er begann sofort zu operieren, insbesondere bei Augenkrankheiten. In jener Zeit war das Trachom weit verbreitet, eine schlimme Augenkrankheit, an der viele Menschen erblindeten. Der junge Arzt führte eine komplizierte Methode ein, durch die Tausenden von Menschen das Augenlicht geschenkt wurde.

Bevor er die Zeit hatte, in ländlichen Gebieten zu arbeiten, brach der russisch-japanische Krieg aus und Valentin diente freiwillig beim Roten Kreuz. Zusammen mit anderen Ärzten nahmen sie den Zug in den Fernen Osten. Die Fahrt dauerte einen Monat. Sie ließen sich in der Stadt Tschita nieder, wo er trotz seines jungen Alters die Leitung der chirurgischen Abteilung eines Lazaretts übernahm. Er operierte die verwundeten Soldaten und führte von den einfachsten bis zu den schwierigsten alle Operationen mit einer unglaublichen Leichtigkeit aus.


In Tschita traf er Anna Wassiljewna, eine Krankenschwester, die ein vorbildliches Leben führte. Sie heirateten und bekamen vier Kinder.

Von 1905 bis 1910 arbeitete er in verschiedenen Landeskrankenanstalten. Die Bedürfnisse waren groß. Er musste Chirurg, Gynäkologe, Pathologe, Kinderarzt, Hygieniker und Zahnarzt sein.

Zu dieser Zeit stieß er auf die Problematik der Vollnarkose, mit deren Anwendung man gerade begonnen hatte. Weil es aber keine Anästhesisten gab und die richtigen Mittel fehlten, war die Vollnarkose gefährlicher als die Operation selbst. Deswegen versuchte er neue Wege der Lokalanästhesie zu finden. Tatsächlich entdeckte er bald, im Alter von 29 Jahren, eine neue Methode der lokalen Anästhesie in den Ischiasnerv. Später präsentierte er diesen Bericht als Dissertation, die er mit Auszeichnung abschloss. Für die Vorbereitung dieser wissenschaftlichen Arbeit, musste er oft nach Moskau fahren.

Im Jahr 1910 zog er nach Pereslawl-Salesski, eine hübsche, malerische Stadt, wo aber die Arbeitsbedingungen schlecht waren. Das Krankenhaus bestand aus 50 Betten, aber die Ausstattung war primitiv. Es gab weder Strom, noch ein Röntgengerät. Wasser wurde täglich von einem Wasserverkäufer in einem Fass gebracht.

Jeden Morgen brachte ihn ein Wagen ins Krankenhaus. Er nutzte auch diese Zeit. Während der Fahrt las er fremdsprachige Artikel und schaffte es so, sieben Sprachen zu erlernen. Er führte stundenlange Operationen aus. Nachts schloss er sich in seinem Büro ein und setzte im trüben Licht einer Petroleumlampe seine wissenschaftlichen Studien fort.

In Pereslawl-Salesski führte er 650 – 1000 Operationen im Jahr alleine durch. Er war einer der ersten Ärzte in Russland, die schwierige Operationen an Nieren, Magen, Gallenblase und sogar am Herzen und dem Gehirn mit großem Erfolg durchzuführen wagten.

Gegen Ende seiner Zeit in Pereslawl-Salesski beschäftigte er sich mit der Operation eitriger Infektionen, über die nur sehr wenig an der Universität gelehrt wurde. Und dann geschah etwas Seltsames. Er schreibt: „Ich war mit dem Entwurf des Buches beschäftigt und schrieb gerade das Vorwort, als plötzlich folgender seltsamer Gedanke in mir auftauchte: Wenn dieses Buch fertig ist, wird der Name eines Bischofs darauf stehen.“

1917 war ein sehr schwieriges Jahr, nicht nur für ihn selbst, sondern auch für Russland. Das Land war im Aufruhr. Das zaristische System fiel. Mehrere provisorische Regierungen, politische Destabilisierung und die Oktoberrevolution folgten. Damals erkrankte die Frau des Hl. Lukas an Tuberkulose,  weshalb sie gezwungen waren Pereslawl-Salesski zu verlassen und nach Taschkent zu ziehen.

Sie ließen sich in einem geräumigen Haus nieder, und der Hl. Lukas wurde sofort zum Direktor der chirurgischen Abteilung des staatlichen Krankenhauses bestimmt, die er gewissenhaft organisierte.

Dennoch verschlechterte sich die politische Situation. Gleich nach der Oktoberrevolution brach der Bürgerkrieg aus, er dauerte vier Jahre und zerrüttete das riesige Land.

Millionen von Menschen starben, viele reden von 20 Millionen, und viele weitere wurden verwundet. Es gab aber auch andere tragische Opfer: Waisenkinder versuchten durch das Essen von Abfällen zu überleben. Der Hl. Lukas ging Tag und Nacht ins Krankenhaus und riskierte sein Leben. Die wenigen Stunden, die ihm zu Hause blieben, musste er sich um seine kranke Frau und die Kinder kümmern, kochen, putzen und waschen.

1918 wurde er Leiter der Stiftung der Universität Taschkent und Professor für Anatomie und Chirurgie.

Die politische Situation war unkontrollierbar. Der Bürgerkrieg tobte überall. Die Zarenfamilie wurde in Jekaterinburg gefangen gehalten. Im Juli 1918 wurde die kaiserliche Familie ohne Gerichtsverfahren hingerichtet.
Dieser Mord vergrößerte die Leidenschaften und Unberechenbarkeit der Menschen. Viele waren verzweifelt. Für jede Kleinigkeit konnten sie verhaftet werden. Eine kleine Lüge reichte aus. Etwas Ähnliches geschah dem Hl. Lukas. Weil er einen schwierigen und alkoholkranken Arbeiter des Krankenhauses ermahnte, verleumdete ihn der Mann bei den Behörden. Eines Morgens, als er den OP-Saal betrat, verhafteten sie ihn und brachten ich zum Hauptbahnhof von Taschkent.
Sie hatten damals 2000 aufständische Soldaten verhaftet. Sie brachten sie kurzerhand vor Gericht, verurteilten sie zu Tode und richteten sie auf der Stelle hin. Der Hl. Lukas stand in der Schlange und wartete auf seine Hinrichtung. Die Stunden schienen endlos. Spät in der Nacht, nachdem er 16 Stunden gewartet hatte, erkannte ihn ein Parteimitglied. Dieser erfuhr, wie er verleumdet worden war und intervenierte. Sie ließen ihn frei. Und hier zeigt sich die Größe seines Herzens und seine Selbstverleugnung. Anstatt nach Hause zurückzukehren, ging er zurück ins Krankenhaus. Wie wenn nichts geschehen wäre, betrat er den OP-Saal um Mitternacht und fing an zu operieren.

Allerdings verschlimmerte dieses furchtbare Ereignis den ohnehin sich schon verschlechternden Gesundheitszustand seiner Frau Anna. Ein paar Tage später starb sie in den Armen des Heiligen. Sie war erst 38 Jahre alt und der Hl. Lukas war 43. Sie begruben sie auf dem Friedhof von Taschkent. Er schrieb auf ihr Grab: „Anna Wassiljewna, 38 Jahre alt. Ein reines Herz, das leidenschaftlich nach der Wahrheit gesucht hat.“

Der Hl. Lukas blieb als Witwer mit vier kleinen Kindern zurück. Genau in dieser schwierigen Situation, schenkte Gott eine Lösung. Eine sehr gläubige Amme, die selbst verwitwet war, übernahm es, seine Kinder groß zu ziehen und für sie zur zweiten Mutter zu werden.

An dieser Stelle sollten wir noch ein paar Worte über seine medizinischen und chirurgischen Fähigkeiten sagen. Heute gilt er in Russland als der bedeutendste Chirurg des zwanzigsten Jahrhunderts. Wie der Professor Kasisrky schreibt: „…sein Name und seine Fähigkeiten sind zur Legende geworden. Er konnte die schwierigsten Operationen ohne Probleme durchführen.“ Er selbst würde sagen: „Ein Chirurg muss die Augen eines Adlers, das Herz eines Löwen und die Hände einer Frau haben“. Einmal nahm er einen Stapel von zwanzig Blättern aus dünnem Papier und eine Lanzette. Er forderte seine Kinder auf, ihm zu sagen, wie viele Blätter er mit einer Bewegung durchschneiden sollte. Seine Kinder antworteten ihm, sieben, und in einem Zug schnitt er sieben Bögen durch, zum Erstaunen aller.

Neben seiner wissenschaftlichen Ausbildung, zeichnete er sich durch seinen tiefen Glauben an Gott aus. Im OP bat er Gott um Hilfe. An der Wand hatte er eine Ikone Christi und der Jungfrau Maria aufgehängt und davor eine Öllampe aufgestellt. Er zündete das Licht an, betete einige Minuten und bekreuzigte den Leib des Patienten mit der Gaze und dem Jod dort, wo die Operation stattfinden sollte. Erst dann begann er mit der Operation.

Obwohl der Hl. Lukas der Kirche immer nahe gestanden hatte, nahm er während dieser Zeit in Taschkent aktiver am kirchlichen Leben teil. Das erfüllte die Gläubigen mit besonderer Freude. Eines Tages kam in der Kathedrale ein Gericht zusammen, das sich aus Klerikern und Laien zusammensetzte, mit dem Ziel Innokentij, den Erzbischof von Taschkent zu verurteilen.
Valentin, damals Arzt, wurde ebenfalls zur Anhörung gerufen, und er verteidigte den Erzbischof energisch. Erzbischof Innokentij wurde freigesprochen und war besonders bewegt von der Haltung des Arztes. Als die Verhandlung zu Ende war, wartete der Erzbischof an der Tür auf den Arzt. Sie gingen zwei-dreimal um die Kirche, während der Erzbischof ihm für seine Verteidigung dankte. Plötzlich blieb der Erzbischof stehen, schaute dem Arzt in die Augen und sagte: „Herr Doktor, sie müssen Priester werden.“ Der Heilige antwortete ohne zu zögern: „Eure Eminenz, wenn es Gottes Wille ist, dass ich Priester werde, dann werde ich es.“

In der Tat wurde er im Januar 1921 zum Diakon und dann zum Priester geweiht. Dieses Ereignis der Weihe eines berühmten Universitätsprofessors schlug wie ein Blitz in Taschkent ein. Der Heilige übernahm tägliche Pflichten und predigte Gottes Wort bei jeder Gelegenheit. Er war auch mit dem Spott seiner Kollegen und Studenten konfrontiert, die dachten, dass er „mit der Wissenschaft jetzt fertig sei“. Doch er widersprach ihnen.

Lassen sie uns noch einen Blick auf die politische Situation werfen, die damals in der Sowjetunion herrschte. Der Bürgerkrieg endete 1921. Die Sieger widmeten sich einer gnadenlosen Verfolgung all der Menschen, die sie für Verdächtige, Konterrevolutionäre etc. hielten. Die Gefängnisse waren überfüllt und die revolutionären Gerichte arbeiteten ohne Unterbrechung. Ein unerwartetes Ereignis verschlechterte die Situation. Lenin wurde krank. Innerhalb von zwei Jahren hatte er mehrere Schlaganfälle, so dass er auf den Rollstuhl angewiesen war. Dann begann der Kampf um die Nachfolge. Entgegen aller Vorhersagen setzte sich Stalin durch – ein skrupelloser Mann, der nicht nur das Leben von Millionen von Bürgern auf dem Gewissen hatte, sondern selbst das seiner Kameraden und Freunde.

Während der zwanziger Jahre wurden die „Umerziehungslager“ gegründet, d.h. Zwangarbeitslager unter dem Namen „Gulag“. Innerhalb weniger Jahre verbreiteten sich Gulags über das ganze riesige Land. Das erste wurde im Solowki-Kloster eingerichtet. Dieses Kloster wurde im vierzehnten Jahrhundert auf den Solowki-Inseln im Weißen Meer erbaut. Es war ein großes monastisches Zentrum, mit einem Hauptkloster und vielen Skiten auf den Inseln. Der Winter ist dort hart und dauert 8-9 Monate. Da niemand von dort fliehen kann, war Solowki der perfekte Ort für ein Militärgefängnis.

Die Häftlinge arbeiteten 16 Stunden am Tag, und wenn sie das nicht mehr schafften, wurden sie als Saboteure hingerichtet. Wenn man jemanden bestrafen wollte, schickte man ihn zur Skite von Sekirnaya, die sich auf einem Hügel befand. Dort nahm man ihm die Kleider ab und folterte ihn nackt in Schnee und Eis. Zu essen gab man ihnen täglich eine Suppe aus verfaulten Kartoffeln. Nach einigen Monaten, wenn die Häftlinge erschöpft waren, brachte man sie zum Rand des Hügels, zu dem 365 Holzstufen führten, man fesselte sie mit Seilen wie kleine Fässer und warf sie die vereisten Stufen hinab. So fanden die Häftlinge einen tragischen Tod. Alle anderen Lager gingen von Solowki aus. Die Häftlinge arbeiteten als Sklaven, unzählige starben durch Folter, Krankheit und Not.

Zur gleichen Zeit begann ein gnadenloser Krieg gegen die Kirche. Durch verschiedene Gesetze wurde die Kirche in ihrer Freiheit sehr eingeschränkt. Viele Kirchen und künstlerische Sehenswürdigkeiten wurden geschlossen, in die Luft gesprengt, in Turnhallen, Militärlager und Kulturzentren verwandelt. Die heiligen Ikonen wurden verbrannt. Zahlreiche Kirchen wurden geplündert und die Reliquien der Heiligen wurden geschändet.


Drei Stunden von Petersburg entfernt, in der Nähe des Flusses Swir, befindet sich das Kloster des Hl. Alexander von Swir, der ein bedeutender Mönch und Abt war. Er durfte die Heilige Dreifaltigkeit sehen und nach seinem Tod blieben seine Reliquien unverwest.

Im Jahr 1918 drangen die Revolutionäre in dieses Kloster ein und ermordeten alle Mönche. Anschließend nahmen sie die Reliquien des Hl. Alexander und warfen sie ins Feuer. Allerdings verbrannten die Reliquien nicht. Man brachte sie in das Museum für Mumien in St. Petersburg. 1997 wurde das Kloster wiedereröffnet und die Väter baten darum, die Heiligen Reliquien zurück zu bekommen. Aber die Verwaltung des Museum wollte sie nicht zurückgeben, da man sie für eine Mumie hielt. Auf das Drängen der Väter brachte die Museumsverwaltung eine Röntgenmaschine, machte eine Röntgenaufnahme vom Leib des Heiligen und stellte fest, dass er nicht einbalsamiert war, sondern unverwest. Auf diese Weise war man gezwungen, ihn den Vätern zu überlassen und so konnte der Heilige wieder in seine Heimat zurückkehren.

Die Menschen zeigten ihren heroischen Geist bei vielen Gelegenheiten, indem sie ihre Kirche verteidigten. Ich möchte nur einen berührenden Fall erwähnen. In der Stadt Olonez versuchten sie im Jahr 1927 eine Kirche zu zerstören. Ein Mädchen im Alter von 25 Jahren erfuhr davon. Sie rannte zur Kirche, betrat sie und schloss sich ein, dann rief sie den Arbeitern zu: „Zerstört die Kirche und tötet mich zusammen mit ihr.“

Die Arbeiter warteten darauf, dass sie herauskommen würde, weil sie sie nicht töten wollten. Nach ein paar Tagen gingen sie schließlich. Dieses Mädchen blieb 25 Jahre lang die Wächterin der Kirche. Sie putzte sie und kümmerte sich um sie, und die Leute brachten ihr etwas zu essen. So wurde die Kirche gerettet. Am Ende ihres Lebens wurde diese Frau Mönchin unter dem Namen Barbara. Sie starb im Alter von 96 Jahren und wurde neben der Kirche begraben. Von allen wird sie als Heilige verehrt.

Unter den Opfern waren Kleriker und Mönche. In ganz Russland wurden allein im Jahr 1922 8100 Kleriker und Mönche hingerichtet. In St. Petersburg kann man noch heute an einer Wand sehen, wie 40 Väter des Hl. Alexander-Nevsky-Klosters hingerichtet wurden. An einem Sonntag wurden, wieder in St. Petersburg, 40 Priester verhaftet, während sie die Liturgie feierten. Sie wurden zum Smolensker Friedhof gebracht, in die Nähe des Grabes der Hl. Xenia. Man gab ihnen Schaufeln, um ein großes Loch zu graben. Danach wurden sie in dieses hineingeworfen und lebendig begraben. Auf diese Weise wurde das Blut vieler Neumartyrer vergossen. Heute kann sich die Russische Kirche einer großen Schar unzähliger Neumartyrer rühmen.

Kehren wir zurück nach Taschkent. In dieser schwierigen Zeit entschied sich der Hl. Lukas Priester zu werden. Allerdings wartete eine neue Verantwortung auf ihn. Erzbischof Innokentij wurde 1923 ins Exil geschickt und das Volk schlug vor, dass Vater Valentin seinen Platz einnehmen sollte. Er akzeptierte demütig diesen neuen Ruf Gottes, wohl wissend um die Gefahren. Zu dieser Zeit gab es einen verbannten Bischof in Taschkent, der ihn zunächst zum Mönch schor. Da es keine Kirche gab, fand seine Tonsur im Kinderzimmer seines Hauses statt. Dort legte er seine Mönchsgelübde ab, und Valentin erhielt den Namen Lukas. Da der Bischof ihm nicht einfach alleine die Bischofsweihe erteilen konnte, schlug er ihm vor nach Pandschakent zu gehen, wo es noch zwei weitere verbannte Bischöfe gab. In der Nacht brach er auf, durchquerte Usbekistan mit den damals verfügbaren Reisemöglichkeiten und sah sich mit vielen Gefahren konfrontiert. Seine erste Station war Samarkand. Aber dort war es noch gefährlicher wegen der Rebellen. Unter großen Mühen setzte er die Reise nach Tadschikistan fort. In Pandschakent fand er die beiden Bischöfe, die ihn in aller Heimlichkeit am 31. Mai 1923 in der Nacht zum Bischof weihten. Danach kehrte er nach Taschkent zurück.

Seine Weihe führte zu neuen Unruhen in Taschkent. Die Partisanen begannen ihn zu verleumden, auch mit Hilfe der Presse. Schon am Samstag, 9. Juni 1923 wurde er verhaftet und ins Gefängnis von Taschkent gebracht. So begannen elf Jahre Haft und Exil. Er blieb zwei Monate lang in Haft und wurde dann nach Moskau geschickt, wo er zweimal den Märtyrer-Patriarchen Tychon besuchte, der im Donskoj-Kloster gefangen war. Patriarch Tychon ermutigte ihn, nicht mit seinen medizinischen und chirurgischen Aktivitäten  aufzuhören, weil er auf diese Weise den Menschen helfen konnte. Patriarch Tychon entschlief am 25. Mai 1925, nachdem er die große Last der Verfolgung getragen hatte. Seine Worte waren sehr prophetisch: „Die Nacht wird sehr lang und sehr dunkel sein.“ Er wurde vor kurzem heiliggesprochen.
Eine Woche später wurde der Hl. Lukas in die Lubjanka gebracht, dem gefürchteten Bau des KGB. In diesem Gebäude wurde er unter Anwendung brutaler Methoden der Vernehmungsbeamten verhört, mit einem Scheinwerfer in seinem Gesicht. Millionen von Menschen wurden in diesem Gebäude verhört und verurteilt, und viele wurden dort im Keller mit einem Genickschuss hingerichtet.

Nach seiner Vernehmung und seiner Verurteilung brachte man ihn in die gefürchtete „Schwarze Krähe“, den Polizeitransporter des KGB. Die „Schwarze Krähe“ war Russlands schlimmster Alptraum. Sie transportierte die Verhafteten und war immer überfüllt. Viele der Inhaftierten erstickten. Der Hl. Lukas wurde in das schlimmste Gefängnis Moskaus, in die Butyrka, gebracht. Die Zellen waren überfüllt. Die meisten Häftlinge schliefen auf gefrorenem Boden. Die Läden an den Fenstern waren geschlossen. Eine elektrische Lampe war ständig an, und die Häftlinge wussten nie, ob es Tag oder Nacht war. Der Schlaf war eine echte Tortur. Aufgrund des Platzmangels konnten sie sich alle nur gemeinsam auf die andere Seite drehen. Es konnten 30-40 Personen in einem Raum für sechs Personen sein. In diesen Gefängnissen bemerkte der Heilige die ersten Symptome seiner Herzschwäche, die sich während seiner Verbannung verschlechtern und ihn für den Rest seines Lebens begleiten sollte.

Zwei Monate später überführten sie ihn zusammen mit zwei anderen Häftlingen zu Fuß ins Gefängnis von Taganka. Eines Tages gaben sie ihm einen Pelzmantel vom Roten Kreuz zum Geschenk. Er behielt ihn nicht lang. Er schenkte ihn einem jungen Häftling, der vor Kälte zitterte.

Im Dezember 1923, während der großen Kälte, wurde er trotz seiner Krankheit ins Exil nach Sibirien geschickt. Die Zugfahrt dauerte einen Monat. Jeden Tag gaben sie ihnen einen halben Hering, ein Stück Brot und ein Glas Wasser als Nahrung. Die Zugabteile unterschieden sich nicht von den Häftlingszellen. Auch sie waren voll von Gefangenen und jeder bestahl den anderen.

Einen Monat später erreichten sie die Stadt Krasnojarsk im Herzen Sibiriens. Später wurde er in die Stadt Jenisseisk 430km weiter nördlich verbannt. Die Reise fand im dunklen Rumpf eines Schiffes statt; heutzutage ist es ein Museum. Mitten im Winter erreichte er Jenisseisk. Sein Quartier war humaner, ein Zimmer im Haus eines reichen Einwohners. Er war mit zwei anderen Priestern zusammen. Das Haus wurde in eine Kapelle umgewandelt und in eine Krankenstation, in der er Patienten behandelte.

Wenig später bat er darum, im Krankenhaus von Jenisseisk eingesetzt zu werden. Die Ärzte waren überrascht aber auch froh, einen berühmten Chirurgen unter sich zu haben. Sie gaben ihm auch sofort die Erlaubnis zu operieren, denn der Bedarf dort war groß. Die Wartelisten erstreckten sich über zwei Monate. 1924 versuchte er eine neue und sehr schwierige Operation durchzuführen. Ein Mann mit einer schweren Niereninsuffiziens wurde eingeliefert, der Hl. Lukas versuchte die erste Transplantation einer tierischen Niere in einen Menschen, und es gelang ihm.

Als Belohnung schickten ihn die örtlichen Behörden weit weg in ein vergessenes Dorf, Haiya, in dem es kaum acht Häuser gab und das eingeschneit war. Trotz aller Schwierigkeiten und der schlechten Ausrüstung, die er besaß, hörte er nicht auf zu operieren. Unter anderem operierte er einen Patienten, der an Grauem Star litt, mit großem Erfolg. Bemerkenswert ist, dass er seine Ausrüstung in einem Samowar sterilisierte.

Im Sommer wurde der Heilige zurück nach Jenisseisk in die Isolierstation des Gefängnisses gebracht, die voller Wanzen war. Danach ließen sie ihn frei und er konnte wieder operieren und die Liturgie in einem alten Kloster in Jenisseisk feiern.

Er operierte unaufhörlich. Die Bewohner liebten ihn sehr. Dennoch, je mehr die Liebe zu ihm wuchs, desto mehr hassten ihn die Behörden. So beschlossen sie, ihn in den frostigen Norden zu schicken. Im Hafen von Jenisseisk brachten sie ihn auf einen Lastkahn und auf dem Jenissej reiste er rund 2000km nach Norden. Die Reise war endlos, monoton, langweilig, ermüdend und quälend. Das Essen war minimal, oder besser gesagt, die Gefangenen waren zum Fraß für die Läuse geworden.

Irgendwann erreichten sie die Stadt Turuchansk. Hier machen die klimatischen Bedingungen das Leben unerträglich. Der Winter ist dunkel und nie endend. Alles ist gefroren. In der kurzen Sommerzeit machen Schwärme von Moskitos den Bewohnern das Leben zur Qual. Der Hl. Lukas arbeitete in dem kleinen Krankenhaus. Es gab keinen anderen Arzt, noch gab es die richtige Ausrüstung. Das einzige, was er fand, war eine Flasche Alkohol und ein kleines Taschenmesser.  Dieses benutzte er zum Operieren, die Wunden nähte er mit den Haaren der Patienten.

Am Ufer des Jenissej gab es ein kleines Kloster mit einer Reliquie des Heiligen Wassilij von Magaseisk. Der Heilige Lukas feierte dort die Liturgie. In seinem Antlitz fanden die Menschen den wahren Hirten und Arzt der Seelen und Leiber. Aber wieder störte die Liebe der Menschen die lokalen Behörden. Er wurde vorgeladen, um eine Erklärung für seine Operationen, Liturgien und Predigten zu geben. Eines Nachts bemerkten sie, wie er sich bereitmachte und sofort Richtung Norden aufbrach.

Machen wir an dieser Stelle noch einmal einen Einschub. Damals wurden Millionen von Gefangenen in die Tundra, den eisigen Norden, gebracht. Dort schmilzt der Schnee nicht vollständig, noch nicht einmal im Sommer, der zwei oder drei Wochen dauert. Die Häftlinge mussten neue Städte, Fabriken, Straßen und Eisenbahnen wie aus dem Nichts erbauen. Die Temperaturen dort können bis zu -60°C erreichen, und bei Wind ist die Situation völlig unerträglich. Die Häftlinge starben zuhauf. Das Gebiet ist übersät mit den Leibern der Gefangenen. Bis zum heutigen Tag kommen, wenn der Schnee schmilzt und Wasser von den Bergen fließt, wo sich die Minen befunden haben, menschliche Knochen aus der Erde hervor. Es gab unzählige Tote, niemand kann ihre Zahl schätzen. In Norilsk, einer Stadt, die von Gefangenen im Jahr 1930 erbaut worden ist, hat man „das Golgotha von Norilsk“, mit vielen Kreuzen und Denkmälern verschiedener Nationalitäten errichtet, zur Erinnerung an die Qualen dieser Menschen. In den umliegenden Städten führen uns ein paar kleine Museen zurück in diese tragische Epoche.

Beinahe wäre der Hl. Lukas denselben Weg gegangen. Die über 400km lange Reise musste er auf einem Schlitten machen. Es war eine qualvolle Reise, mitten im Winter. Die Kälte war schrecklich, die Dunkelheit grauenhaft. Die erste Station war Selivanikha, ein kleines Dorf. Er setzte die Fahrt über den Jenissei fort. Nachdem sie den nördlichen Polarkreis überquert hatten, erreichten sie das Dorf Plahin, das aus 15 Personen bestand. Man gab ihm ein Zimmer in einem kleinen Holzhäuschen. Ringsum war überall Eis. Die Kälte dort ist so enorm, dass Vögel dort nicht leben können. Der kleine Holzofen war nicht ausreichend. Das Wasser im Eimer fror. Bei Wind war die Situation zum Verzweifeln. Er blieb für etwa zweieinhalb Monate in Plahin. Nur Gottes Gnade erhielt ihn am Leben.

Im März schickte ein Leiter des KGB einen anderen Schlitten, um ihn zurückzuholen. In Turuchansk starb ein Patient hilflos. Die Menschen empörten sich und verlangten, dass ihr Bischof und Arzt zurückkommen solle. So fand er sich in Turuchansk wieder und setzte seine Arbeit im Krankenhaus und im Kloster ungestört fort.

Seine Strafe näherte sich dem Ende. Das Warten war eine Qual. Er sah Schiffe mit den Gefangenen abfahren, aber er wurde nicht gerufen. Ende August hörten die Schiffe auf zu fahren, weil der Fluss zufror und er bis zum nächsten Sommer warten musste. Schließlich wurde er im November 1925 befreit. Jetzt wurde er gezwungen, mit einem Schlitten über den gefrorenen Jenissej zu fahren. Die Reise war schwierig und gefährlich. Insgesamt reisten sie rund 2000 Km. Er erreichte Krasnojarsk und fuhr von dort mit dem Zug nach Taschkent.

Er nahm seine erzbischöflichen Pflichten wieder auf. Man gab ihm keine Stellung an der Universität, deshalb empfing er die Patienten zu Hause. Viele junge Erwachsene sammelten sich um ihn, denen er wie ein Vater half und sie halfen ihm bei der Arbeit. Wenn sie irgendwo arme Patienten fanden, teilten sie ihm das mit. Die Menschen liebten ihn sehr.

Nach kurzer Zeit tauchten neue Probleme auf. Ein psychisch kranker Patient, der auch Professor war, beging Selbstmord. Sein Selbstmord wurde als Mord ausgegeben und man begann den Heiligen als Komplizen zu beschuldigen. Ein ganzes Jahr lang wurde er in den Zeitungen verleumdet. Sie schrieben sogar Theaterstücke über den „Mörderbischof“. Schließlich wurde er 1930 verhaftet. Wieder sperrte man ihn in Taschkent ein, wieder folgten grausame Verhöre, Drohungen und Erpressungen. Jeder verteidigte seine Unschuld vergebens. Er blieb ein ganzes Jahr in den Gefängnissen von Taschkent und wurde dann zur  Verbannung in den Norden Russlands verurteilt. Sie brachten ihn zum Bahnhof, wobei sie sich unmenschlich verhielten. Ein Augenzeuge berichtet: „Wir waren viele Menschen und versammelten uns. Wir sahen ihn von weitem. Sie zogen ihn an seinem Bart und spuckten ihm ins Gesicht. In diesem Augenblick dachte ich plötzlich daran, wie Jesus Christus auf die gleiche Weise verspottet worden war.“

Er selbst schreibt über die Zugfahrt: „Der Waggon war so voller Läuse, dass ich meine Kleider morgens und abends ausziehen musste, und täglich fand ich hunderte von ihnen. Unter ihnen waren auch große schwarze Läuse, die ich nie zuvor gesehen hatte.“

Einige Tage später erreichten sie die Stadt Kotlas. Sie war ebenfalls inmitten endloser Wälder von Gefangenen erbaut worden, von denen viele den Märtyrertod starben. Der Hl. Lukas wurde zunächst zu den Gefängnissen von Kotlas gebracht und später ins drei Kilometer entfernte Makariha. Sie lebten in elenden, notdürftigen Baracken. Viele Gefangene wurden in den Wald geschickt, um Bäume zu fällen und Baracken zu bauen. Sie wurden gezwungen, auf dem Boden zu schlafen und waren der Kälte und Feuchtigkeit ausgesetzt. Viele begingen Selbstmord. Damals brachen in Makariha eine Typhusepidemie und andere Krankheiten aus. Die Häftlinge starben hilflos. Jeden Tag hoben sie eine große Grube in Makariha aus und begruben rund 70 Tote. Heute hat man in Makariha viele Denkmäler errichtet, die an die Tragödie dieser Menschen erinnern.

Der Heilige Lukas wurde Zeuge dieses schrecklichen Dramas, ohne in der Lage zu sein, helfen zu können. Wenig später brachten sie ihn ins Krankenhaus von Kotlas und erlaubten ihm zu operieren, denn die Not war so groß. Es dauerte nicht lang, bis er wieder versetzt wurde. Auf einem Schiff wurde er auf dem Dwina nach Archangelsk gebracht, eine der nördlichsten Städte Russlands. Damals hatten sie tausende von Gefangenen geschickt, so dass es sehr schwierig für ihn war, eine Wohnung zu finden. Die Verbannten froren in den Straßen, es gab nicht genug Häuser. Schließlich fand er ein Zimmer in einem großen Haus, in dem auch andere Verbannte wohnten. Die Behörden erlaubten ihm im Krankenhaus zu operieren, aber er war mit der Eifersucht seiner Kollegen konfrontiert. Er ging in die Kirche und auf den Friedhof, aber selbst dort sahen sie ihn misstrauisch an.

1932 bekam er einen Tumor. Er ging deshalb nach St. Petersburg, wo er von einem Onkologen operiert wurde. Zum Glück war der Tumor gutartig. In St. Petersburg wurde er eingeladen, Kirow zu treffen, ein hochrangiges Parteimitglied. Der schlug vor, dass man ihm das größte chirurgische Zentrum des Landes geben würde, unter der einzigen Bedingung, dass er seine religiösen Gewänder wegwerfen und Christus verleugnen sollte. Er akzeptierte nicht und kehrte zurück ins Exil.

1933 wurde sein berühmtes Buch über die Operation eitriger Infektionen unter dem Namen „Bischof Lukas“ veröffentlicht. Dieses Buch wurde begeistert aufgenommen und mehrfach publiziert. Professor Polianoff erklärte: „Es gibt kein Buch in unserem Land mit so viel Wissen über die Chirurgie und so viel Liebe zu den Menschen.“

Von 1933 bis 1937 blieb er in Taschkent. Er erlebte dort eine schöne Zeit mit seinen Kindern, die er schon so lange vermisst hatte. Er arbeitete vor allem im Bereich der wissenschaftlichen Forschung, was ihm sehr zusagte. Er wollte jedes Detail über den Eiter lernen. Er schrieb seinem Sohn: „Ich mache außergewöhnliche Entdeckungen. Ich arbeite unaufhörlich. Ich möchte eine Menge Dinge schreiben. Ich fürchte, dass ich nicht die Zeit haben werde. Ich habe den Höhepunkt meines Alters erreicht. Ich bräuchte noch mehr Zeit…“.

Ein Schritt trennte ihn von der Entdeckung des Penicillins, leider entdeckte er es nicht rechtzeitig.

Die dreißiger Jahre waren die Zeit von Stalins Allmacht. Der Archipel Gulag war auf seinem Höhepunkt. Millionen Menschen wurden in Konzentrationslager zur Zwangsarbeit geschickt. Im Belomor-Kanal arbeiteten mehr als 300 000 Menschen um einen 280km langen Kanal zu öffnen, sie gruben mit primitiven Mitteln im Granit. Mindestens 100 000 starben, unzählige andere wurden zu Invaliden. 1936 hatte der Terror seinen Höhepunkt erreicht. In der Hauptstadt fanden die berühmten Moskauer Prozesse statt, wo die Revolutionsführer vernichtet wurden. Die Verhaftung unschuldiger Menschen hatte die Form einer Epidemie angenommen. Und natürlich hielt man Bischof Lukas für einen Verdächtigen.


1937 drangen eines Nachts Kommissare in sein Haus ein und nahmen ihn fest. Draußen erwartete ihn die „Schwarze Krähe“, um ihn in das Gefängnis von Taschkent zu bringen. Man warf ihm vor, als Arzt Patienten zu töten, eine Konterrevolution zu planen, und dass er vorhabe, Stalin zu ermorden. Viele seiner Mitarbeiter wurden ebenfalls verhaftet. Manche von ihnen wurden unter der Folter schwach und sagten gegen ihn aus. Um seine Unterschrift zu erzwingen, wurde er abermals grausamen und qualvollen Verhörmethoden unterworfen. Auf einem Stuhl, in grellem Scheinwerferlicht sitzend, wurde er dreizehn Tage lang von verschiedenen Vernehmungsbeamten Tag und Nacht verhört.

Sie ließen ihn weder essen noch schlafen. Er wurde häufig ohnmächtig, eimerweise wurde    kaltes Wasser über ihn gegossen, um ihn immer wieder zu Bewusstsein zu bringen. Weil er die Anklageschrift nicht unterzeichnete, wurde er zu weiteren dreizehn Tagen und Nächten Verhör verurteilt. Sein Körper war mit Wunden von den Misshandlungen übersät. Sie hielten ihn zwei Jahre lang unter andauernden Drohungen und Folter in den Gefängnissen von Taschkent fest.

1939 verurteilte man ihn wieder zu weiteren drei Jahren Exil in Sibirien. Die Zugreise nach Krasnojarsk und die anschließende Schifffahrt nach Groß-Murta waren eine neue Qual. Dort ging er in die Klinik und bat um Erlaubnis operieren zu dürfen. Sie stellten ihn an, aber weil es keine andere freie Stelle gab, wurde er als Wächter der Klinik angestellt. Sie gaben ihm ein kleines Zimmer im Krankenhausviertel, wo er in Armut lebte. Aber auch hier entwickelte er eine umfangreiche chirurgische Tätigkeit trotz der sehr schlechten Arbeitsbedingungen.

Da es keine Kirche im Dorf gab, ging der Hl. Lukas jeden Morgen in einen kleinen, nahe gelegenen Wald, um zu beten. Er legte eine Ikone auf einen Baumstamm, kniete sich in den Schlamm oder auf das Eis und betete. Aber selbst dieser Platz wurde durch atheistische Jungkommunisten entweiht. Gott wurde von jedem Ort verbannt.

Heute erinnern sich Menschen, die noch in Groß-Murta leben mit großer Liebe an ihn. Es gibt immer noch keine Kirche in der Stadt. Die Menschen haben aber mit dem Bau begonnen, und die Kirche wird dem Hl. Lukas geweiht sein. In der Tat wurde am Tag der Grundsteinlegung eine Frau auf wunderbare Weise durch den Heiligen geheilt. Dort hat man ein Kreuz aufgestellt, zur Erinnerung an das wunderbare Eingreifen des Heiligen, während man vor der Kirche den Stein stehen ließ, auf dem die kranke Frau gesessen hatte. Damals war die Welt vom Krieg regiert. Deutsche Truppen zogen in Russland ein und verursachten großes Unheil und unzählige Opfer. Das ganze Land wurde auf die Probe gestellt.

In Krasnojarsk kamen Züge an, vollbesetzt mit schwerverletzten Soldaten. Viele von ihnen starben hilflos. Es gab nur sehr wenige Ärzte. Der Hl. Lukas, bewegt durch diese traurige Situation, schrieb einen Brief an den Präsidenten des obersten Sowjet, Kalinin, und bat darum, die Soldaten operieren zu dürfen. Die Antwort kam sofort. Schon bald wurde er nach Krasnojarsk verlegt und als Chefarzt des Militärkrankenhauses 1515 und als Berater aller Militärkrankenhäuser in der Region angestellt.

Auch dort kam ihm das Misstrauen seiner Kollegen entgegen und er wurde ständig durch den KGB überwacht. Seine Unterkunft war ein kleiner, feuchter Raum im Krankenhaus. Die Vorgesetzten verachteten ihn und hielten ihn für einen Bürger zweiter Klasse. Auch verbot man ihm, im Restaurant des Krankenhauses zu essen. Viele Tage blieb er ohne Nahrung. Ein paar Krankenschwestern, die Mitleid mit ihm hatten, brachten ihm heimlich etwas zu essen. Sie hörten niemals eine Beschwerde von ihm. Er ertrug alles mit großem Glauben an Gott. In einem Brief an seinen Sohn schrieb er: „ Ich liebte das Martyrium, das auf so wundersame Weise die Seele reinigt.“

Hin und wieder ging er zum Bahnhof und suchte die Schwerverletzten auf, um sie zu operieren. Die Soldaten liebten ihn sehr, weil sie spürten, dass er ihr Leben gerettet hat. Die anstrengende Arbeit beeinträchtigte auch seine Gesundheit. Auch wenn ihn die Müdigkeit übermannte, dachte er immer an die Leidenden und diente ihnen in großer Selbstverleugnung.

Nirgends gab es eine Kirche, da man alle geschlossen hatte. Aber jetzt brauchte Stalin die Kirche. Im Jahr 1943 gab er ihr ein wenig Freiheit. Viele inhaftierte Priester wurden freigelassen und einige Kirchen geöffnet. Der Hl. Lukas wurde als Erzbischof von Krasnojarsk eingesetzt. In der Stadt erlaubten sie die Öffnung einer kleinen Kirche, die dem Hl. Nikolas geweiht war, in einem Vorort, sieben Kilometer vom Zentrum entfernt. Am 28. Februar 1943 feierte der Heilige die erste Göttliche Liturgie. In dieser bescheidenen Kirche wurde das kirchliche Leben in Sibirien wieder neu begonnen. Aber um dorthin zu gelangen, musste er sieben Kilometer durch Schlamm und Eis gehen. Oft sank er ein und konnte nicht weitergehen.

Heute gibt es im Allgemeinen Krankenhaus von Krasnojarsk eine Kirche zu Ehren des Hl. Lukas. Die heute wirkenden Ärzte sind ihm dankbar und spüren, dass sie von dem profitieren können, was er hinterlassen hat. Auf einem zentralen Platz der Stadt wurde eine große Statue des Heiligen errichtet. Immer wieder halten Passanten an, beten, und legen ein paar Blumen nieder.

1944 wurde er als Chefarzt und Erzbischof nach Tabov versetzt. Auch dort war alles zerstört. Mit viel Mühe baute er die zerstörte „Kirche des Heiligen Schutzes“ wieder auf und begann mit großer Freude Liturgien zu feiern und zu predigen, denn, wie er in seiner ersten Predigt sagte: „15 Jahre lang war mein Mund verschlossen.“
Zur gleichen Zeit arbeitete er im Allgemeinen und im Militärkrankenhaus der Stadt, wobei er auch in der Medizinischen Fakultät bei medizinischen Konferenzen Vorträge hielt.

Im kirchlichen Bereich gab er sich große Mühe, sein Gebiet zu reorganisieren. Er predigte das Wort Gottes in den Kirchen und die Menschen eilten herbei, um ihn predigen zu hören und waren von seinem Wort tief betroffen.

Die Behörden waren beunruhigt. Sie erkannten seinen enormen wissenschaftlichen, sozialen und patriotischen Beitrag, aber sie konnten seine Predigt und seine seelsorgerische Tätigkeit nicht akzeptieren. Oft war er zu wissenschaftlichen Konferenzen oder an die Universität eingeladen, unter der Bedingung, sein geistliches Gewand und sein Bischofsmedallion nicht zu tragen. Er gab diesen Forderungen nicht nach, und es scheint, dass er keine Angst mehr hatte. Innerhalb von zwei Jahren wuchs die Liebe der Leute von Tabof zu ihm außerordentlich. Und hier haben die Spuren, die er hinterließ, auch Bestand.

Heute trägt das Allgemeine Krankenhaus der Stadt seinen Namen. Seine Büste wurde im Vorhof aufgestellt, und in der Nähe, im Medizinischen Historischen Museum ist ein großer Bereich dem Hl. Lukas gewidmet.

Trotz seines großen Arbeitspensums nahm er an den Konzilien des Moskauer Patriarchats teil. 1946 wurde er schließlich anerkannt. Einige Parteileute verleumdeten den Heiligen bei Stalin und forderten seine Hinrichtung. Stalin beschimpfte sie und sagte: „Wir können diese Leute nicht länger hinrichten, sondern wir müssen sie ehren.“ Und tatsächlich wurde der Hl. Lukas aus einer Gruppe von 15 Wissenschaftlern mit der größten öffentlichen Auszeichnung des Staates geehrt, dem ersten Stalinpreis. Die Zeremonie fand in Moskau statt. Alle waren anwesend. Der einzige, der fehlte, war der Heilige Lukas, weil er sich das Zugticket nicht leisten konnte. Das Preisgeld betrug 200.000 Rubel. Der Hl. Lukas schickte Stalin ein Telegramm mit der Bitte, dieses Geld den Kriegswaisen zukommen zu lassen.

Im selben Jahr wurde auf Anordnung Stalins eine Büste des Heiligen gefertigt, die bis zum heutigen Tag im Klenovsky - Museum in Moskau steht, zusammen mit den Büsten anderer großer Wissenschaftler. Viele ausländische Journalisten kamen, um ihn zu interviewen, auch wurden Sondersendungen gemacht. Aber sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und im Jahr 1946 erblindete er auf einem Auge. Die Kirche übertrug ihm die Erzdiözese von Simferopol und der Krim.

Die Krim ist eine wunderschöne Gegend, mit leuchtenden Farben aber auch mit Elend. Die Katastrophen, die der Krieg hinterlassen hatte, waren auch dort groß und die Kirche am Boden. Der Heilige Lukas bemühte sich sehr, sie wieder zu beleben. In diesem Kampf war er mit den lokalen Behörden konfrontiert, die ihm ständig Schwierigkeiten bereiteten. Da es viele Arme gab, organisierte er die Verteilung von Lebensmitteln in seinem Haus. Oft blieb er ohne Nahrung, damit die Armen etwas zu essen hatten. Auch dort wurde er zu Konferenzen und Vorlesungen an die Medizinische Hochschule eingeladen. Zuweilen forderten die Behörden, dass er nicht im geistlichen Gewand erscheinen sollte. Er weigerte sich aber, weswegen einige Konferenzen abgesagt wurden.

Jeder Tag war bis zur letzten Minute ausgefüllt. Er stand sehr früh auf und betete zwei bis drei Stunden lang. Danach las er einen Abschnitt aus dem Alten und Neuen Testament. Im Anschluss daran ging er in sein Büro und kümmerte sich um die Angelegenheiten der Erzdiözese. Am Nachmittag empfing er immer die Patienten, ohne etwas von ihnen zu verlangen.

Verschiedene Menschen kamen in seine Arztpraxis: Atheisten, Menschen verschiedener Religionen und Nationalitäten. Er bot seine Hilfe an, ohne jemanden zu benachteiligen.

Im Jahr 1956 erblindete er auch auf dem anderen Auge. Völlig erblindet arbeitete er unermüdlich weiter, predigte und feierte die Liturgie. Im Jahr 1957 feierte man in Simferopol seinen 80. Geburtstag.

Als Stalin 1953 starb, begann Chruschtschow die Entstalinisierung. Die meisten Gefangenen wurden freigelassen und Militärlager wurden geschlossen. Diese positive Entwicklung wurde überschattet von einer neuen Verfolgung der Kirche. Chruschtschow eröffnete wieder eine antikirchliche Front. Kirchen wurden beschlagnahmt, geschlossen und gesprengt. Priester wurden verfolgt. Der Hl. Lukas wurde mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert, aber er kämpfte für die Öffnung der Kirchen. Voll Sorge schreibt er an seine Kinder:

„Es wird immer schwieriger, sich um die kirchlichen Angelegenheiten zu kümmern. Es ist ein Martyrium. Ich kann es in meinem Alter von 80 Jahren nicht ertragen. Aber mit Gottes Hilfe werde ich meine schwierige Arbeit fortsetzen.“

Die Behörden beabsichtigten, ihn einer  exemplarischen Bestrafung zu unterziehen, weil er sich weigerte, die Kirchen zu schließen. Aber sie trauten sich nicht, ihn zu verhaften oder ins Exil zu schicken.

In einem anderen Brief an seinen Sohn schrieb er: „Ich bin viel trauriger als du, weil sie mein Ende beschleunigen wollen. Im Allgemeinen wird die Situation in der Kirche unerträglich.“

Das irdische Leben des Erzbischofs näherte sich seinem Ende. Am Weihnachtstag 1960 feierte er die Liturgie zum letzten Mal, in der Fastenzeit predigte er zum letzten Mal. Von da an blieb er zu Hause. Er bereitete sich durch das Gebet auf die große Reise vor. Kurz bevor er starb, taufte er seine Urenkelin Tatjana, die heute Ärztin in Odessa ist.

Eines Tages sagte er zu seiner Nichte: „Ich frage mich, ob sie euch erlauben werden, das Trishagion bei meiner Beerdigung zu singen.“ Seine Nichte verstand damals nicht, was er ihr sagen wollte – sie sollte es später bei seiner Beerdigung verstehen.

Am 11. Juni 1961 wurde der Sonntag aller Heiligen von Russland gefeiert. Es war viertel vor sieben am Morgen, als der Heilige Lukas seinen letzten Atemzug tat und entschlief. Er ging so, dass er die göttliche Liturgie am himmlischen Altar zelebrieren konnte. Die traurige Nachricht verbreitete sich so schnell wie der Blitz. Drei Tage lang kamen Tausende von Menschen um seinen Leichnam zu verehren. Vor seinem Sarg brachen sie in Tränen aus und riefen: „Unser Vater hat uns verlassen, unser Heiliger“ und sie erzählten von seinen Wohltaten und Wundern.

All diese Menschen wollten eine große Beerdigung haben und seinen Leib durch die Hauptstraße Simferopols tragen. Aber am Tag des Begräbnisses kam ein dringendes Telegramm aus Moskau, das verbat, den Toten durch die Hauptstraßen zu tragen.

Diejenigen, die teilnehmen wollten, mussten kostenlose Busse nehmen, die den ganzen Weg zum Friedhof über abgelegene Straßen fuhren. Es war nicht erlaubt zu singen. Innerhalb von drei Minuten musste alles abgeschlossen und der Verstorbene begraben sein.

Die Zeremonie wurde von vielen Polizisten beobachtet, um sicherzustellen, dass diese Anordnung befolgt wurde. Aber unmittelbar nach dem Trauerzug revoltierten die Menschen. Kämpfe und Konflikte mit der Polizei folgten. Irgendwann wurde die Straße geräumt und der Wagen, der den Sarg transportierte, versuchte wegzufahren. Einige Frauen brachen durch und versuchten das Auto zu erreichen. Drei von ihnen stürzten sich heldenhaft vor die Räder des Wagens und brachten ihn zum Stehen. Sie riefen: „Nur über unsere Leichen werdet ihr dorthin fahren, wohin ihr wollt.“

In diesem Moment erschien eine große Schar Tauben am Himmel, die über ihnen kreiste und der Prozession folgte. Am Ende zogen sich die Polizisten zurück. Die Prozession bog in die Hauptstraße ein, die mit einer großen Menschenmenge überfüllt und zwei Kilometer weit mit Rosen bedeckt war. Alle sangen das „Trishagion“ wie aus einem Mund dreieinhalb Stunden lang.

Er wurde auf dem Allerheiligen-Friedhof begraben, und von da an wurde sein Grab zum Teich von Siloah. Seine Wunder sind unzählig. Und so nahm ihn 1996 die Russische Kirche in die offizielle Liste der Heiligen auf. Im März 1996 erhoben Lazarus, der Erzbischof von Krim und seine Priester seine Reliquien. Während der Erhebung verbreitete sich ein süßer Duft in der ganzen Gegend. Bei seinen Reliquien fand man sein Herz, sein Gehirn, seine Augen und seine Lungen unverwest.

Am 20. März 1996 wurden seine Reliquien im Beisein Tausender in die Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit in Simferopol gebracht. Im Jahr 2001 wurden sie in einen schönen silbernen Reliquienschrein gelegt, gestiftet von Griechenland.

1997 wurde vor dem Krankenhaus von Simferopol eine Statue vom Heiligen durch Erzbischof Lazarus errichtet, und 2005 wurde seine Büste in der Medizinischen Hochschule aufgestellt, wo eine Kirche zu Ehren des Heiligen Lukas gebaut wird.

Sein Gedenktag wird am 11. Juni gefeiert. Jedes Jahr kommen Tausende von Menschen aus allen Teilen der Ukraine, Russlands und dem Ausland zu seinem Festtag.

Am Vorabend des Festes singt die Medizinische Fakultät zusammen mit dem leitenden Dekan bereits am Morgen den Akathistos zu Ehren des Heiligen, wobei sie ihre Arztkleidung vor dem Reliquienschrein niederlegen, um sie zu segnen.



Am Gedenktag des Heiligen zelebrieren sie die Göttliche Liturgie und es findet eine Prozession mit den Heiligen Reliquien statt.
Seine Wunder sind unzählig, nicht nur auf der Krim sondern auch in Griechenland. Seine Erscheinungen und Eingriffe sind vielfältig. Er ist vielen Menschen im Schlaf erschienen und er trug seine priesterlichen Gewänder und seine Arztkleidung. Er hält chirurgische Instrumente in den Händen, Gaze, Spritzen etc. Und dann stellt er sich den Patienten vor und sagt ihnen, dass er gekommen sei, um sie zu operieren. Viele finden einen Einschnitt oder Blut am Körper, wenn sie morgens aufwachen.

Was hat den Heiligen Lukas wirklich verherrlicht und ihm so viel Gnade geschenkt? Er besaß viele Tugenden. Aber ich glaube, dass das, was ihn am meisten auszeichnete die Liebe war, die Krone der Tugenden. Die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Eine echte Opfergabe der Liebe, der Aufopferung und der Selbstverleugnung.

In Palästina gibt es zwei Seen und einen Fluss. Der erste ist ein kleiner See, der See von Tiberias. Auch wenn es ein kleiner See ist, so ist er doch lebendig, hat viele Fische und dort fischten die Apostel Christi. Der zweite See befindet sich im Süden, es handelt sich um das Tote Meer, das viermal größer ist als der erste. Aber es ist tot. Es gibt dort keine Spur von Leben. Die beiden Seen sind durch den Jordanfluss verbunden. Er beginnt in Tiberias und geht bis zum Toten Meer. Und es ist paradox. Seit Jahrhunderten gibt der See von Tiberias sein Wasser und bleibt stets lebendig. Und er wird nicht leer. Seit Jahrhunderten empfängt das Tote Meer pausenlos dieses Wasser, aber es wird nicht belebt. Dies ist das Wesen der Liebe. Wir verlangen keine Liebe, wir fordern sie nicht von anderen. Wir schenken sie nur, ohne Vorbehalt und ohne Berechnung, nur dann sind wir lebendig. Der Mensch, der von klein auf nur gelernt hat zu nehmen und nicht zu geben, ist untauglich, tot, unglücklich. Der Mensch, der gelernt hat zu lieben, zu opfern, zu schenken und geopfert zu werden, ist lebendig und glücklich.

Das war der Heilige Lukas – ein Mann der Liebe, der Hingabe, des Opfers und der Selbstverleugnung. Deshalb hat er so viel Gnade von Gott erhalten, und er lebt weiter, er vollbringt weiterhin Wunder, er ist uns weiterhin nahe und tröstet uns.
Möge sein Leben uns inspirieren und sein Segen auf uns ruhen.
http://www.impantokratoros.gr/4C3BD645.de.aspx

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